Aktuelle Beiträge

An dieser Stelle werden zukünftig meine aktuellen Beiträge für das Fachmagazin Brieftaubensport International erscheinen.

Formaufbau durch Training und Formabfall durch Übertraining


Zum Ende der Taubensaison möchte ich heute noch einmal das Thema Training und Formentwicklung sowie Formabfall durch Übertraining aufgreifen. In der Praxis werde ich seit Jahren immer und immer mit den gleichen Problemen konfrontiert. Zu Beginn der Saison trainieren die Tauben ausgezeichnet und die Form steigt mit zunehmendem Training an. Es stimmt, Formaufbau und Flugfreude gehen Hand in Hand. Aber ab einem bestimmten Punkt, oft nach einem schwierig verlaufenen Flug, haben die Tauben einen Formeinbruch hinnehmen müssen. Auslösend war ein schwerer Flug bei dem schlechtes Wetter mit Gewitterfronten oder Kopfwind mit Hitze geherrscht haben. Erstes deutliches Zeichen welches nie übersehen werden darf ist ein drastischer Rückgang im Trainingseifer. Die Tauben stürzen nicht mehr aus dem Schlag sondern lassen sich „Bitten“ und fliegen dann auch nur fünf bis zehn Minuten lustlos ums Haus. Das Szenario kennt sicherlich jeder Züchter. Das schlechte Training der Tauben ist dann nicht selten auch  noch von offener Schnabelatmung, hecheln und anderen deutlichen Zeichen einer körperlichen Erschöpfung begleitet. Galt dieser Leistungseinbruch, begleitet von einem deutlich reduzierten Trainingseifer, früher als untrügliches Zeichen einer schweren Infektion, so sehen wir heute die Ursache eher in einer völligen Entkräftung der Taube.  Abstehende Ohren und dicke Köpfe sind äußere Anzeichen eines tiefsitzenden inneren Unwohlseins und Erschöpfung und weniger ein typisches Anzeichen einer Infektion der oberen Atemwege. Abspreizen des Kopfgefieders kann bei sehr vielen Vogelarten beobachtet werden. Immer ist es als Zeichen von Unwohlsein und allgemeiner Schwäche aber auch als Zeichen einer Krankheit zu bewerten. Wenn also ein plötzlicher Formabfall mit Leistungseinbruch auftritt oder das Training am Haus miserabel wird, die Tauben das Gefieder aufplustern und das Kopfgefieder abspreizen dann ist ein Besuch beim Tierarzt angezeigt. Nur der kann entscheiden ob wirklich eine Infektion zu Grunde liegt oder ob ein anderer Grund für den Leistungsrückgang besteht. Neben den einfach durchzuführenden Abstrichen der Schleimhäute ist die bakteriologische Untersuchung mit Erregerisolierung und anschließendem Antibiogramm heute gängige Praxis. Schnellteste erleichtern und beschleunigen die Arbeit, dauern aber auch noch 30 bis 45 Minuten bis zum Ergebnis. Liegt ein positiver Befund vor dann entscheidet der Tierarzt in Absprache mit dem Züchter über die Medikamentengabe. Dabei spielt auch der weitere Reiseplan eine zu berücksichtigende Rolle. Sollten keine gravierenden Infektionen nachgewiesen werden, dann ist die Fütterung/Ernährung sowie das Training genauer zu hinterfragen. Manchmal besteht ein Übertraining. Darunter versteht man ein zu viel an Training, durchaus freiwilliges Training der Tauben, ein stressiges Trainingsprogramm mit neun Trainings pro Woche, zu viele Trainingstouren oder auch zu viel Fahne. Übertraining geht mit mangelnder Regeneration und nur knapp ausgeglichenem Energiehaushalt einher.
Oft ist auch nur eine unzureichende Ernährung die Ursache eines Formeinbruchs. Unzureichend heißt in diesem Fall nicht den Bedürfnissen entsprechend angepasst. Und was die Bedürfnisse anbelangt gehen die Meinungen weit auseinander. Es gibt drei wichtige Grundnährstoffe. Allen voran die Kohlenhydrate, dann die Eiweiße und zuletzt die  Fette. Dazu kommt noch die Rohfaser welche nicht direkt ernährend wirkt sondern mehr regulatorisch. Die Kohlenhydrate sind für die tägliche Grundversorgung des Organismus zuständig und unterhalten alle Stoffwechselvorgänge. Die Eiweiße sind vor allem bei der Regeneration des Körpers und für die Funktionsweise des Immunsystems von Bedeutung. Die Fette dienen als Treibstoff für das ausdauernde Training und vor allem die Wettflüge. Alle drei Nährstoffe geben der Taube Energie. Fette mehr als doppelt so viel wie die Kohlenhydrate. Die Eiweiße können auch zur Energiegewinnung genutzt werden, aber das immer nur in Notsituationen. Also bei völliger körperlicher Erschöpfung oder nahrungsbedingtem Überangebot. Beides führt zu Formeinbruch. 
Ein großer Unterschied besteht zwischen der Fütterung einer Taube in Hochform die von Flug zu Flug gefüttert wird und einer Taube welche außer Form geraten ist und wieder zur Form zurückgefüttert werden muss. Da spielt die Ernährung und allem voran die Verteilung der drei Grundnährstoffe eine zentrale Bedeutung. Auch die Einschätzung was die Schwere eines Fluges anbelangt ist sehr unterschiedlich. Allgemein gelten Flüge mit geringer Fluggeschwindigkeit als schwer und ziehen eine „schwere“ Fütterung nach sich. Flüge mit hoher Fluggeschwindigkeit gelten meist als leicht und dementsprechend wird „leicht“ gefüttert. Aber gerade Flüge mit hoher Fluggeschwindigkeit hinterlassen an den Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenkkapseln viele Schäden die mühsam und mit hohem Eiweißeinsatz repariert werden müssen. Das ist mit leichtem Futter nur unzureichend möglich. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals an die „Schiefflieger" erinnert die in Folge eines maximalen Schadens an diesen Bandstrukturen auftreten. Meist treten sie nach Flügen mit hohen Fluggeschwindigkeiten oder nach Greifvogelangriffen auf, seltener nach einem 1200m/min Flug. Der hochfrequente Flügelschlag scheint von da her ursächlicher zu sein als der kraftvolle Flügelschlag.
Züchter, deren Tauben nach anfänglich guten Resultaten plötzlich in der Leistung abfallen und keinen Trainingseifer mehr zeigen, haben in den letzten Wochen mehr gelitten und sind vom Grundsatz her schon einmal anders zu versorgen. In aller Regel benötigen sie mehr Eiweiß da sie mehr regenerieren müssen. Regeneration spielt sich im Eiweiß- und Energiehaushalt ab. Wer also den abgeflogenen zu spät kommenden Tauben erst einmal eine leichte Mahlzeit mit viel Kohlenhydraten und recht hohem Rohfaseranteil vorsetzt (z.B. Gerste und Reis, Reinigungsfutter /Diätfutter) wird auch nur eine mangelnde Regeneration erreichen. Die mangelnde Regeneration zeigt sich in einem schlechten Training (fünf Minuten ums Haus kreisen) mit hecheln, körperlicher Erschöpfung, abstehendem Gefieder an den Ohren, und allen eingangs beschriebenen Symptomen. Wenn dann noch mit verstärktem Training unter Zuhilfenahme von Zwangsmaßnahmen, wie Fahne, klatschen oder sogar Trainingstouren darauf reagiert wird, ist ein weiteres Abfallen in der Preisliste zu erwarten.
Verstärkte Regeneration sollte immer auch von Ruhe begleitet sein. Nach etwa acht bis zehn Wochen Wettflugsaison braucht keine Taube mehr intensives Training. Da kann die Regeneration ruhig im Vordergrund stehen und eine Taube mit vier Trainingseinheiten pro Woche, von Montags bis Donnerstags jeden morgen eine, ganz gut leben. Ich spreche hier bewusst von den erschöpften Tauben und nicht von den Tauben des Spitzenzüchters mit 70% Preisausbeute und jeder Menge Spitzenpreisen. Bei dem sieht das Training und auch die Ernährung anders aus. Wichtig ist aber die Erkenntnis, dass die außer Form geratene Taube eine andere Vorbereitung auf den kommenden Wettflug benötigt und durchaus in zwei Wochen wieder an die anfängliche Form herangeführt werden kann. 
Vielen Züchtern fehlt es auch einfach nur am Mut ihren eigenen Beobachtungen zu folgen. In Gesprächen stelle ich dann öfter fest, dass die Situation auf dem eigenen Schlag richtig beobachtet wird, der Züchter aber die falschen Konsequenzen zieht und sich manchmal auch nicht traut den Plan oder die Anweisung des Futterherstellers abzuändern. Vielleicht aus Unkenntnis oder auch aus Angst es könne noch schlechter werden. Grundsätzlich hat sich der Gedanke lieber leicht als schwer zu füttern verfestigt. Stimmt auch weitestgehend, ist aber bei der erschöpften Taube falsch. Genauso verfestigt ist die vor dreizig Jahren geborene Idee Erbsen wären Gift für die Ernährung der Tauben. Das ist nach heutigem Kenntnisstand so nicht mehr zu halten. In der heutigen Ernährung von Ausdauersportlern spielen Linsen und Erbsen sowie Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Erbsenprotein eine zunehmende Bedeutung.
Jede Epoche hat so ihre Vorlieben. Vor dreißig Jahren aßen alle Ausdauersportler nur noch Nudeln und unsere Tauben erhielten Extraportionen Mais. Je nach persönlichem Belieben Poppcornmais, Pferdezahnmais oder badischen Saatmais. Dann vor zwanzig Jahren kamen Nüsse und Fette sowie Öle in Mode. Auch unsere Tauben erhielten geschälte Sonnenblumenkerne, diverse Öle und Lecithin, Fett auch als Schaffett und speziellen roten, weißen oder schwarzen Mais mit extra hohem Fettanteil. Vor einigen Jahren kam dann die Rote Beete bei den Rennradfahrern auf. Literweise wurde rote Beete Saft im Fahrerlager getrunken. Da waren die Taubenzüchter schon früher wegweisend, denn die „Prange Suppe“ und andere Säfte mit roter Beete gab es schon länger. Aktuell ist  das Erbsenprotein in aller Munde und ich erwarte den Tag an dem Erbsenmehl und besser noch das Erbsenprotein im Taubensport Einzug halten werden.

Die jährliche Impfung der Tauben

Bei allen Arzneimittelanwendungen und besonders bei den Impfungen werden wissenschaftlich erwiesene sowie persönlich empfundene Vorteile den häufig diskutierten Nachteilen gegenübergestellt. Oft werden im Winter durchgeführte Impfungen für eine schlechte Befruchtungsrate verantwortlich gemacht. Impfungen werden für besonders gute aber auch für schlechte Reiseleistung verantwortlich gemacht. Manche Züchter und auch Tierärzte empfehlen Impfungen gegen die Pocken und Salmonellen unmittelbar vor Reisebeginn, andere warnen davor und bezweifeln den positiven Effekt. Manche diskutieren über einen Paramyxo-Herpes Impfstoff obwohl die Anwendung bei uns völlig illegal ist.
Der aufmerksame Leser diverser Fachbeiträge weiß längst, dass jeder Tierarzt und Fachautor seine eigene Strategie verfolgt. Dabei wird leider allzu oft vergessen, dass es allgemein gültige Regeln und Rechtsvorschriften gibt, die bei jeder Impfung aber auch bei jeder Arzneimittelanwendung eingehalten werden müssen.

Welche Impfungen sind für Tauben zugelassen?
Zur Zeit sind in Deutschland drei Impfung zugelassen und auch zu empfehlen. Das sind die Impfungen gegen das Paramyxovirus (PMV-1), das Pockenvirus und gegen die Salmonellen (Salmonella typhimurium). Die Salmonellen sind die Erreger des Parathyphus.

Welche Ziele verfolgt die Impfung?
Den vollständigen Schutz der Taube gegen die drei genannten Infektionskrankheiten. Hierbei ist zwischen dem Schutz der einzelnen Taube und dem Schutz des gesamten Bestandes zu differenzieren. Der Bestandsschutz ist in jedem Fall das erstrebenswerte Ziel. Der Schutz des Einzeltieres steht bei Taubenbeständen eher im Hintergrund. Ein Bestandschutz ist nur zu erreichen, wenn alle Bestandstauben jährlich geimpft werden. Dann kann auch davon ausgegangen werden, dass neu eingeführte Tauben und Jungtauben nicht sofort an einer der drei Infektionen erkranken. 

Wann ist der richtige Impfzeitpunkt?
Im Anschluß an die Hauptmauser und mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur Anpaarung sollten die Impfungen durchgeführt werden. Im Allgemeinen bevorzuge ich die Zeit von Mitte November bis Ende Januar für die Impfungen. Idealerweise wird der gesamte Bestand zum gleichen Zeitpunkt geimpft, um ein zirkulieren des Erregers zu unterbinden. In Ausnahmefällen kann es erforderlich sein die Zuchttauben, welche schon Ende November verpaart werden sollen, Anfang November zu impfen. Während die verdunkelten Jungtauben im gleichen Bestand erst Ende Dezember durchgemausert sind und dann auch erst geimpft werden sollten. Ich selbst habe jedoch noch nie Probleme gesehen, wenn ich nicht vollständig durchgemauserte Tauben gegen PMV-1 impfte. Jungtauben werden von April bis Juni geimpft. Ich empfehle die Impfung der gesamten Jungtiermannschaft zu einem Zeitpunkt welcher sich am Zuchtende und Reisebeginn orientiert. 

Muß die Impfung wiederholt werden?
Die Impfungen gegen das Paramyxovirus und die Pocken hinterlassen eine sehr stabile und lang anhaltende Immunität. Eine Wiederholungsimpfung ist erst nach einem Jahr nötig. Da die Jungtauben im Frühjahr/Sommer bereits geimpft wurden, erfolgt bei diesen die erste Wiederholung natürlich schon nach 6-10 Monaten, was auch sehr wünschenswert ist, um keine "immunologische Lücke" entstehen zu lassen.
Etwas anders ist die Situation bei der Salmonellen Impfung. Da die Immunantwort auf die Impfung nicht so stark ausfällt, empfehlen wir auf jeden Fall eine Wiederholungsimpfung, welche auch als "Boosterimpfung" bezeichnet wird.
Wird der Lebendimpfstoff ZOOSAL T verwendet, ist die Wiederholung laut Hersteller erst nach neun Monaten erforderlich. In der Praxis hat sich die Boosterimpfung nach etwa drei Monaten sehr bewährt. Wir empfehlen also eine erneute Wiederholung im Frühjahr etwa drei Wochen vor Reisebeginn, um einen hohen Impfschutz besonders während der Reisezeit zu gewähren.

Dienen Impfungen der Leistungssteigerung?
Hier begebe ich mich jetzt ganz bewusst auf das weite Feld der Spekulation. Jede Impfung, egal ob ein Totimpfstoff oder Lebendimpfstoff verwendet wird, setzt im Körper eine ganze Kaskade immunologischer Reaktionen in Gang. Alle diese Reaktionen betreffen das spezifische, sowie das unspezifische Immunsystem. Die Reaktionen des spezifischen Immunsystems führen dazu, dass die Immunität aufgebaut wird, was dann als die eigentliche Wirkung der Impfung angesehen wird. Die Reaktionen des unspezifischen Immunsystem sind ebenso komplex aber weniger zielgerichtet. Eine dieser unspezifischen Reaktionen gipfelt in der Ausschüttung diverser Botenstoffe, welche eine allgemeine Alarmbereitschaft im Körper auslösen und gleichzeitig den Schutz gegen "alle möglichen Angreifer" erhöht. Diese Reaktion fällt bei der Anwendung des Pockenimpfstoffes deutlich aus.
Schon vor vielen Jahren wurde von einigen Züchtern die Pockenimpfung unmittelbar vor oder sogar bei Beginn der Reise durchgeführt; und das auch mit überzeugenden Erfolgen. In den vergangenen Jahren wurde häufiger darüber berichtet. Die Salmonellen Impfung mit Zoosal T führt ebenso zu einer deutlichen Stimulation des Immunsystems und hat als Boosterimpfung vor Beginn der Reise ebenfalls einen starke Anhängerschaft.

Sollen vor der Impfung irgendwelche Kuren durchgeführt werden?
Nur gesunde Tauben dürfen geimpft werden. Aus diesem Grund muss der Tierarzt sich vor der Impfung vom allgemeinen Gesundheitszustand der Tauben überzeugen. Zur Vorsicht sollte vor der Impfung eine Sammelkotprobe untersucht werden, um die Gesundheit zu überprüfen. In Taubenbeständen, in denen in den letzten zwölf Monaten eine Salmonellose diagnostiziert wurde, muss unbedingt vor der Impfung Kot und Abstriche untersucht werden. Sind Salmonellen nachweisbar, muss vor der Impfung mit einem Antibiotikum nach Resistenztest behandelt werden. Gesunde Bestände sollten vor der Impfung nicht vorsorglich gekurt werden. Diese Vorgehensweise der vorbereitenden Behandlung mit einem Antibiotikum wurde früher fast durchgängig empfohlen, ist aber heute nicht mehr zeitgemäß. Der vorbeugende Antibiotikaeinsatz gegen Salmonellen im Winter mit oder ohne anschließende Impfung ist nur dem kommerziellen Interesse der Anbieter geschuldet. Medizinische Gründe gibt es keine.

Welche Impfstoffe gelangen zur Anwendung?
Zur Paramyxo Impfung sind drei Totimpfstoffe für die Brieftaube zugelassen. Lasovac plus, Chevivac P12 und Nobilis Paramyxo. Zur Impfung gegen die Pocken gibt es nur den Impfstoff Chevipok. Zur Salmonellen-Impfung verwenden den nur in Deutschland zugelassenen Impfstoff Zoosal-t. Leider stehen Herstellerseits nicht immer alle Impfstoffe zur Verfügung.  
Ausblick: Wollen wir auch in Zukunft unsere Brieftaubenbestände frei von den drei wichtigen Infektionskrankheiten halten, sollte zu jeder Jahreszeit unser ganzes Augenmerk auf die Impfungen gerichtet sein. Zum richtigen Zeitpunkt durchgeführten Impfungen sind eine echte Prophylaxe die wir unseren Tauben angedeihen lassen können.