Going Light Syndrom beim Wellensittich

Das Going light syndrom welches in Züchterkreisen auch als Megabakteriose bezeichnet wird ist eine Erkrankung, welche durch den Pilz Macrorhabtus ornithogaster hervorgerufen wird. Es handelt sich richtigerweise um eine Pilzinfektion und nicht um eine bakterielle Infektion. Die Erregerisolierung und die genaue Klassifizierung hat lange Zeit gedauert. Früher nahmen die Forscher an, dass es sich um ein besonders großes Bakterium handelt. Heute gilt der Erreger als genau klassifiziert und gehört zu den Hefepilzen.
Verbreitung: Macrorhabtus ornithogaster lebt im Magen-Darm-Trakt vieler Vogelarten. Oft lebt der Pilz in geringer Konzentration im Verdauungstrakt ohne Krankheitssymptome hervorzurufen. Insbesondere bei Wellensittichen, Nymphensittichen, Unzertrennlichen, Kanarienvögeln, Finkenvögeln und Dompfaffen kommt es aber zu deutlichen sichtbaren Krankheitsausbrüchen.  
Krankheitsanzeichen:  Der Erreger lebt besonders im Drüsenmagen wo er die für die Verdauung wichtigen Salzsäure produzieren Drüsenzellen befällt. Die daraus resultierenden Symptome sind ruhiges apathisches Verhalten, gesteigerte Futteraufnahme, Gewichtsverlust, Würgen, oft dunkler Volumenstuhl, aber auch heller Kot mit unverdauten Körnern. Immer ist das Allgemeinbefinden deutlich sichtbar gestört, die Tiere schlafen viel, verstecken den Kopf im gefieder und die Vögel suchen gerne Wärme auf. 
Krankheitsausbruch: Ausbrüche beobachtet man häufig nach Stressituationen wie Tod des Partners, Neuvergesellschaftung, Ortswechsel der Vögel, veränderte Beleutungssituation, Übertriebenes bird light, Mauser und Zucht. Es können auch Tiere erkranken welche schon mehrere Jahre im Besitz sind. In einer Gruppe von Vögeln erkranken oft nur Einzeltiere.
Krankheitsfeststellung. Jeder Vogel mit gestörtem Allgemeinbefinden ist einem fachkundigen Tierarzt vorzustellen. Dieser wird Abstriche aus dem Rachen und der Kloake entnehmen. Dazu eine möglichst frische Kotprobe untersuchen. In der mikroskopieschen Untersuchung mittels phasenkontrast- besser noch phaseninterferenz Darstellung lassen sich die charakteristischen Struckturen des Pilzes eindeutig nachweisen. Die Menge der gefundenen Macrorrhabtus ornithogaster korreliert nicht umbedingt mit der Schwere der Krankheitssymptome. Nicht immer werden große Mengen des Erregers mit dem Kot ausgeschieden. Neben der Mikroskopie gibt es noch die deutlich teurere und auch langwierigere Diagnostik mittels der PCR Untersuchung.
Ansteckungsweg: Wie eingangs beschrieben, kommt der Erreger bei vielen Vögeln vor. Oft lebt er ohne Krankheitssymptome hervorzurufen recht friedlich im Verdauungstrakt der Vögel. Erst durch verschiedenste Stressfaktoren kommt es zum Ausbruch. Dann wird der Erreger in größeren Mengen mit dem Kot ausgeschieden und an Käfigpartner oder während der Brut an Jungtiere weitergegeben. Da die Erregerübertragung durch Kotfressen begünstigt wird spielt die Sauberkeit und Hygiene eine große Rolle bei der Ausbreitung. Auch die orale Weitergabe durch gegenseitiges Füttern ist möglich. Aber nochmals, nicht jeder Vogel der angesteckt wird muss auch erkranken, da spielt das körpereigene Immunsysthem eine wichtige Rolle.
Behandlung: Ist die Krankheit nachgewiesen, muss das zu behandelnde Tier für 28 Tage mit Amphotericin B behandelt werden. Es ist eine orangefarbene Suspension die mindestens zwei mal täglich direkt in den Schnabel eingegeben werden muss. Hochgradig abgemagerte Vögel in weit fortgeschrittenem Krankheitsstadium müssen zusätzlich mit Handaufzuchtfutter und eventuell Infusionen stationär behandelt werden. Auch Vögel die von ihren Besitzern nicht selbst behandelt werden können bleiben bei uns zur stationären Behandlung. Wir kontrollieren den Behandlungsfortschritt in wöchentlichen, maximal zehntägigen Abständen. Bei stationären Patienten werden täglich das Gewicht und der Kot kontrolliert.
Heilung: Eine Heilung im eigentlichen Sinne (restitutio ad integrum) ist nicht möglich da der Erreger, Macrorrhabtus ornithogaster, zeitlebens in geringer Konzentration im Drüsenmagen zurück bleibt. In Stressituationen kann es zu einer erneuten Erregervermehrung mit neuerlichem Krankheitsausbruch kommen.
Vorbeuge: Nach der Behandlung sollte den Vögeln keinerlei Zuckerhaltige Futtermittel angeboten werden. Also keine Honigstangen, keine Kräcker, keine Biscuits, keine zuckerhaltigen Früchte wie Trauben, Orangen, Äpfel, Birnen, etc..
Präprobiotika, also Darmflora aufbauende und unterstützende Produkte sollten gegeben werden, wenngleich die auch produkttechnisch in geringen Mengen Zucker enthalten können. Da wären Intestino und bene bac zu empfehlen. Auch Korvimin ZVT als Vitamin-Mineralstoff Ergänzung ist möglich.